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Strohballenhaus bauen
in der Steiermark

· 5 Min. Lesezeit

Strohballen werden von Hand in ein Holz-Fachwerk eingebracht, Strohballenbau in der Steiermark
Stroh einbringen, Handarbeit auf der Baustelle · Foto: © Gregor Pils

Ein Haus aus Stroh. Für viele klingt das erst mal nach einem Experiment. Für uns ist es seit Jahren gelebter Alltag, hier bei uns im Wechselland an der Grenze zwischen Steiermark und Burgenland.

Wenn Menschen aus der Region zu uns kommen, fragen sie fast immer dasselbe: Hält so ein Strohballenhaus wirklich? Was kostet es? Und wo finde ich hier bei uns überhaupt jemanden, der das baut? Dieser Beitrag beantwortet die ersten beiden Fragen ehrlich und zeigt bei der dritten auf zwei Häuser, die es in der Oststeiermark längst gibt.

Warum wir mit Stroh dämmen

Stroh ist der Dämmstoff, der uns am meisten überzeugt, und das aus nüchternen Gründen. Österreichische Baustrohballen sind bauaufsichtlich zugelassen und dämmen mit einer Wärmeleitfähigkeit um 0,05 Watt je Meter und Kelvin. Bei rund 36 Zentimetern Wandstärke ergibt das einen U-Wert von etwa 0,15. Das ist voller Neubaustandard, erreicht mit einem Material, das als Nebenprodukt der Getreideernte ohnehin auf den Feldern rund um uns anfällt.

Dazu kommt die Umweltseite, und da lohnt sich der ehrliche Blick. In der Herstellung verursacht eine Wand aus Stroh, Holz und Lehm ein Vielfaches weniger Treibhausgase als eine gleich gut gedämmte Wand aus Beton und Mineralwolle, je nach Vergleich das Drei- bis Zehnfache weniger. Über den gesamten Lebensweg gerechnet liegt so ein Wandaufbau nahe an klimaneutral. Wir schreiben bewusst nicht „klimapositiv“, denn der Kohlenstoff, den das Stroh gespeichert hat, bleibt nur gebunden, solange die Wand steht. Aber schon das ist ein Unterschied, den man mit kaum einem anderen Baustoff so einfach erreicht.

Und schließlich fühlt sich Stroh im fertigen Haus einfach gut an. Zusammen mit dem Lehmputz innen entsteht eine Wand, die Feuchtigkeit aufnimmt und wieder abgibt und die Temperatur ruhig hält. Kein technisches Wunderwerk, sondern zwei alte Materialien, die gut zusammenspielen.

„Zieht das nicht Ungeziefer an? Und was ist mit Feuer?“

Die zwei häufigsten Sorgen zuerst, weil sie sich schnell ausräumen lassen. Baustroh wird extrem stark verpresst. In einem solchen Ballen gibt es weder Nahrung noch Hohlraum für Nagetiere oder Insekten, es ist schlicht zu dicht. Ein modernes Strohballenhaus ist ein Massivbau, kein Heuhaufen.

Beim Brandschutz ist es ähnlich. Freies Stroh brennt, keine Frage. Allseitig verputzt und dicht gepresst aber nicht: Der Ballen lässt zu wenig Sauerstoff durch, und der Putz schützt ihn. Geprüfte, verputzte Strohballenwände erreichen im Prüfstand einen Feuerwiderstand von 90 Minuten (REI 90). Zum Vergleich: Für ein normales Wohnhaus wird ein weit geringerer Wert verlangt. Die verbreitete Angst, ein Strohhaus sei eine Fackel, hält der Prüfung nicht stand.

Lehmputz wird auf eine Strohballenwand aufgetragen, Materialkombination Stroh und Lehm
Lehm auf Stroh, die Kombination, die den Aufbau schützt · Foto: © Gregor Pils

Bei manchen unserer Projekte übernimmt der Lehmputz diese Aufgabe sogar direkt an der Außenseite der Strohwand: luftdicht aufgetragen ersetzt er dort die sonst übliche Kunststofffolie als winddichte Ebene. Weil Lehm im Freien aber keinen dauerhaften Wetterschutz bietet, kommt darüber zusätzlich eine hinterlüftete Holzfassade.

Wie ein Projekt bei uns abläuft

Ein Strohballenhaus bei uns ist kein Bausatz von der Stange, aber auch kein Chaos auf der Baustelle. Wir arbeiten in vier Schichten: ein Tragwerk aus Holzriegeln, dazwischen die dicht gepressten Strohballen als Dämmung, innen Lehmputz und außen Kalkputz. Der Kalk hält die Witterung ab, der Lehm regelt das Klima von innen. Die Dichtheit des Hauses erreichen wir dabei ohne Kunststofffolien, nur mit natürlichen Baustoffen.

Die Wandelemente fertigen wir in unserer Werkstatt vor. Das bringt Qualität und Genauigkeit, und es macht die Zeit auf der Baustelle kurz, ein Naturhaus steht bei uns in ungefähr neun Monaten. Das Holz dafür kommt von Bauern aus der Region und wird auf unserem eigenen Sägewerk geschnitten. Das Stroh stammt ebenfalls von Feldern in der Nähe. Kurze Wege, bekannte Herkunft, das ist uns wichtiger als jedes Zertifikat.

Das Besondere: Beim Einbringen des Strohs und beim Lehmputz kannst Du selbst mitarbeiten, ganz ohne Vorkenntnisse. Wir schaffen dafür den geschützten Rahmen und stehen mit Anleitung daneben. Wer möchte, überlässt uns die Arbeit natürlich auch. Aber viele unserer Bauleute erzählen später, dass genau diese Tage die schönsten waren.

Der Weg dorthin beginnt lange vor der Baustelle. Am Anfang steht ein Gespräch über Dein Grundstück, Dein Budget und die Art, wie Du wohnen willst. Daraus wird der Plan, dann die Vorfertigung, dann die Montage vor Ort, und am Ende der Innenausbau, bei dem Du wieder mit anpacken kannst. Wie diese Schritte im Detail aussehen, beschreiben wir auf unserer Seite zur Planung und Beratung. Wichtig ist uns nur eines: Es gibt kein fixes Schema von der Stange. Jedes Haus beginnt bei den Menschen, die darin wohnen werden.

Baustelle eines Strohballenhauses mit Kran und Dachstuhl in der Steiermark
Montage der vorgefertigten Elemente auf der Baustelle · Foto: © Gregor Pils

Zwei Häuser, die es schon gibt

Am ehrlichsten spricht das, was steht. Zwei unserer Strohballenhäuser in der Region:

Haus Ingrid war eines unserer ersten Projekte, ein Neubau mit 78 Quadratmetern, Holzriegelbau mit Strohdämmung und Lehmputz, fertiggestellt 2018. Es ist bis heute in bestem Zustand, und das ist die vielleicht wichtigste Auskunft für alle, die sich um die Haltbarkeit sorgen.

Haus Renate zeigt, was mit derselben Bauweise geht, wenn das Grundstück anspruchsvoller ist. 140 Quadratmeter auf zwei Geschossen, auf Stelzen gebaut, damit möglichst wenig Boden versiegelt wird, ebenfalls Holzständer mit Baustrohballen gedämmt, fertig seit 2022. Die ganze Geschichte dazu findest Du auf der Projektseite von Haus Renate.

Beide, und weitere, stehen in unserer Projektübersicht. Wenn Du in der Nähe wohnst, lässt sich ein Besuch oft einrichten. Ein Haus zu sehen und die Wand zu berühren sagt mehr als jeder Prospekt.

Was uns von den großen Fertighaus-Anbietern unterscheidet

Man findet im Netz überregionale Anbieter, die Strohhäuser als Katalogprodukt verkaufen. Das kann für manche der richtige Weg sein. Unser Weg ist ein anderer.

Wir sind ein regionaler Betrieb im Wechselland und bauen für Menschen aus der Steiermark, dem Südburgenland und der Buckligen Welt. Bei uns sitzt Dir kein Vertrieb gegenüber, sondern die Handwerker, die Dein Haus tatsächlich bauen. Das Holz kennt seinen Wald, das Stroh sein Feld. Und weil wir vorfertigen, aber Dich mitbauen lassen, entsteht kein anonymes Produkt, sondern ein Haus mit Deiner Handschrift darin.

Wenn Du ohnehin mit dem Gedanken an einen Neubau spielst, ist das vielleicht der Unterschied, der zählt: nicht das billigste Haus, aber eines, das zu Dir, zum Grundstück und zur Region passt. Wie wir einen Wandaufbau technisch lösen, kannst Du auf unserer Technik-Seite nachlesen.

Moch ma's

Du überlegst, in der Steiermark oder im Burgenland ein Strohballenhaus zu bauen? Erzähl uns von Deiner Idee oder Deinem Grundstück. Wir hören zu und sagen ehrlich, was geht.

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