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Warum Bauen teurer wird
und was Stroh und Lehm anders machen

· 5 Min. Lesezeit

Giebel-Wandelement mit Strohballen gefüllt, Holzrahmen in der Vorfertigung bei Naturhaus Wechselland
Holz und Stroh statt Brennofen: ein vorgefertigtes Wandelement

Bauen ist im Frühjahr 2026 wieder spürbar teurer geworden. Die Statistik Austria meldet für den Wohnbau im April um 4,3 Prozent höhere Baukosten als ein Jahr zuvor. Wer gerade plant, merkt das in jedem Angebot.

Hinter dieser Zahl steckt eine Geschichte, die selten erzählt wird. Sie handelt von Brennöfen, Pipelines und Weltpolitik. Und sie erklärt, warum wir auf Stroh, Holz und Lehm setzen: nicht nur aus ökologischen Gründen, sondern zunehmend auch aus wirtschaftlichen.

Woher die Teuerung kommt

Der Baukostenindex misst, was Baufirmen für Material, Energie, Transport und Löhne zahlen. Schaut man hinein, fällt auf: Ein großer Teil der Teuerung der letzten Jahre steckt in der Energie. Viele konventionelle Baustoffe sind nämlich nichts anderes als gespeicherte Hitze. Zementklinker wird bei rund 1.450 Grad gebrannt, Branchenstudien der Zementindustrie beziffern den Energieanteil auf bis zu drei Viertel der variablen Herstellkosten. Ziegel brauchen etwa 1.000 Grad im Ofen, befeuert meist mit Erdgas. Und Stahl entsteht in Schmelzöfen, sein Preis hat sich in der Energiekrise 2022 zeitweise mehr als verdoppelt.

Diese Krise ist zwar abgeflaut, aber die Materialpreise sind laut Statistischem Bundesamt nie wieder auf das Niveau von davor zurückgekehrt. Und 2026 ist der Gasmarkt erneut nervös: Der Konflikt im Nahen Osten und die Abhängigkeit Europas vom weltweiten Flüssiggas-Markt treiben die Preise wieder. Europa kauft einen großen Teil seiner Energie auf Weltmärkten ein. Jede Krise am anderen Ende der Welt steht ein paar Monate später als Zahl auf einem Baustoff-Angebot in der Oststeiermark.

Was in einer Wand aus Stroh, Holz und Lehm steckt

Jetzt der Blick auf unsere Materialien. Stroh fällt als Nebenprodukt der Getreideernte auf den Feldern rund um uns an. Seine Herstellung besteht aus Ernten, Pressen und Liefern. Die Umwelt-Produktdeklaration für Baustrohballen weist für die gesamte Herstellung nur rund 6,6 Kilogramm CO2 je Kubikmeter aus. Diese Zahl ist ein guter Indikator dafür, wie wenig fossile Energie in dem Material steckt.

Lehm wird bei uns überhaupt nicht gebrannt, sondern nur getrocknet. Der Unterschied zum gebrannten Ziegel ist genau die Ofenenergie, die beim Lehm komplett wegfällt. Und Holz wächst mit Sonnenenergie im Wald, Einschnitt und Trocknung brauchen im Vergleich zu Schmelz- und Brennprozessen wenig.

Der eigentliche Wert einer Naturhaus-Wand entsteht durch Hände. Zimmerer, die Elemente in der Werkstatt abbinden und montieren. Menschen, die das Stroh Ballen für Ballen einbringen und verdichten. Lehmputz, der Lage für Lage aufgetragen und geglättet wird. Der Preis dieser Wand steckt zum großen Teil in bezahlter Handwerksarbeit, nicht im Brennstoff. Das ist der Kern des Unterschieds.

Wissenschaftlich lässt sich das untermauern. Eine vergleichende Lebenszyklusanalyse von Forscherinnen der Carnegie Mellon University und der Columbia University hat Lehmbauweisen wie Strohleichtlehm und Stampflehm mit konventionellem Holzrahmen- und Betonmauerwerk verglichen, über den gesamten Lebensweg von 50 Jahren. Ergebnis: Der Energiebedarf in der Herstellung sinkt um 62 bis 68 Prozent, das Klimawandelpotenzial um 83 bis 86 Prozent. Das sind natürlich Laborvergleiche unter bestimmten Annahmen, keine Garantie für jedes einzelne Bauprojekt. Aber die Größenordnung passt zu dem, was man auf unseren Baustellen sieht: Wenig Ofen, viel Hand.

Drei Personen besprechen Baupläne an einem runden Tisch in einem Raum mit Lehmputzwänden
Gute Planung ist die beste Kostenkontrolle

Ganz ehrlich: Auch wir spüren die Teuerung

Damit das kein Schönreden wird, gehört die andere Seite dazu. Holz ist Anfang 2026 in Österreich so teuer wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen, der Schnittholz-Preisindex der Landwirtschaftskammer lag im Februar um gut 23 Prozentpunkte über dem Vorjahr. Auch da spielt Weltpolitik mit, weil wichtige Exportmärkte betroffen sind. Und die Handwerkslöhne steigen ebenfalls, die Sozialpartner haben für den Bau ab Mai 2025 ein Plus von 2,7 Prozent vereinbart.

Der Unterschied liegt nicht darin, dass Naturbaustoffe von der Teuerung verschont wären. Er liegt in der Art, wie ihre Kosten steigen. Löhne werden einmal im Jahr verhandelt und steigen planbar mit der Inflation. Energiepreise können innerhalb weniger Monate zweistellig springen, in beide Richtungen. Eine Bauweise, deren Kosten großteils aus Arbeit und regionalem Material bestehen, ist schlicht ruhiger zu kalkulieren als eine, die an Gas- und Weltmarktpreisen hängt. Dass wir unsere Wand-, Dach- und Deckenelemente im Werk vorfertigen, macht die Arbeitsstunden zusätzlich gut planbar.

Der alte Nachteil wird kleiner

Naturbau galt immer als die aufwändigere Art zu bauen. Mehr Handarbeit, mehr Wissen, mehr Sorgfalt. Das stimmt, und das kostet. Nur: Dieser Abstand wird kleiner, wenn die Vergleichsseite über die Energiepreise Jahr für Jahr teurer wird. Was früher ein deutlicher Aufpreis fürs gesunde Wohnen war, ist heute oft näher beisammen, als viele glauben.

Was ein konkretes Haus kostet, hängt trotzdem von Größe, Grundstück, Planung und Eigenleistung ab. Eine ehrliche Einordnung der Kosten haben wir in einem eigenen Beitrag zusammengefasst: Was kostet ein Strohballenhaus in Österreich? Die genaue Zahl für dein Projekt gehört sowieso ins persönliche Gespräch. Einen Überblick, was wir vom Neubau bis zum Zubau alles bauen, findest du bei unseren Leistungen.

Wo dein Geld hingeht

Ein Gedanke zum Schluss, der uns wichtig ist. Jeder Euro, der in Brennstoff für Öfen und Schmelzen fließt, verlässt zum großen Teil das Land, denn Gas und Öl importieren wir. Jeder Euro, der in Handwerksleistung fließt, bleibt da: beim Zimmerer aus der Region, beim Bauern, der das Stroh presst, bei den Menschen, die den Lehmputz auftragen. Das ist keine große Theorie, sondern einfache Hausrechnung, nur eben für die ganze Region gedacht.

Das gilt übrigens genauso fürs Sanieren. Wer einen Bestand erhält statt neu zu bauen, ersetzt Material durch Arbeit und Wissen. Auch da bleibt die Wertschöpfung dort, wo das Haus steht.

Wir sagen damit nicht, dass Naturbau automatisch die billigere Wahl ist, das wäre unehrlich. Was wir sagen: Die Rechnung von vor fünf Jahren gilt heute nicht mehr eins zu eins. Wer zuletzt vor der Energiekrise verglichen hat, sollte noch einmal genau hinschauen.

Wir bauen nicht nur, wir schauen auf's Ganze.

Moch ma's

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