Journal
Haus auf Stelzen,
unsere Erfahrungen mit
Schraubfundamenten
· 4 Min. Lesezeit
Nicht jedes Grundstück will ausgehoben und mit Beton gefüllt werden. Manchmal ist die schönere Antwort: Das Haus stellt sich auf Stelzen und lässt den Boden darunter in Ruhe.
Immer öfter fragen uns Bauleute nach genau dieser Idee, und meist fällt schnell das Stichwort Schraubfundament. In diesem Beitrag erklären wir, was das ist, was dafür spricht, und wir sind auch ehrlich dabei, wo die Grenzen liegen. Denn nicht überall ist ein Haus auf Stelzen der richtige Weg.
Was ein Schraubfundament ist
Ein Schraubfundament ist im Grunde ein großer Stahlpfahl mit einem Gewinde am unteren Ende. Statt eine Grube auszuheben und Beton einzubringen, wird der Pfahl in den Boden gedreht, ähnlich wie eine überdimensionale Schraube. Auf diese Pfähle setzt dann die Holzkonstruktion des Hauses auf. Das Gebäude steht also auf einzelnen Punkten, nicht auf einer durchgehenden Betonplatte.
Genau das meinen wir, wenn wir vom „Haus auf Stelzen“ sprechen: Der Baukörper hebt sich ein Stück vom Gelände ab und wird von wenigen Auflagern getragen. Das passt gut zu unserer Holzbauweise, weil auch die Wände und Decken bei uns aus vorgefertigten, leichten Elementen bestehen. Ein leichtes Holzhaus braucht keine schwere, massive Gründung, und eine punktförmige Auflagerung genügt, um die Lasten sauber in den Boden zu leiten.
Was dafür spricht
Der erste Vorteil ist der Boden selbst. Kein großer Aushub, kein Betonkeller, keine versiegelte Fläche unter dem ganzen Haus. Der gewachsene Boden bleibt weitgehend, wie er ist, samt seinem Wasserhaushalt und dem, was darin lebt. Bei unserem Projekt Lauber war uns genau das wichtig, das Haus versiegelt so wenig Boden wie möglich.
Der zweite Vorteil ist die Zeit. Ein Betonfundament muss gegossen werden und aushärten, bevor es weitergeht. Punktförmige Gründungen stehen schneller, und weil wir die Wandelemente ohnehin in der Werkstatt vorfertigen, greift beides gut ineinander.
Der dritte Vorteil liegt am Lebensende des Hauses, und der passt zu allem, wofür wir stehen. Wir bauen mit Holz, Stroh und Lehm, weil sich diese Materialien am Ende wieder trennen und zum größten Teil in den Kreislauf zurückführen lassen. Eine punktförmige Stahlgründung fügt sich da gut ein: Sie lässt sich, anders als ein einbetonierter Keller, grundsätzlich wieder aus dem Boden lösen. Ein Haus, das man bauen kann, ohne den Boden für immer zu verändern, ist uns lieber als eines, das sich nur mit Abbruchhammer wieder entfernen lässt.
Und wo die Grenzen liegen
So klar die Vorteile sind, so ehrlich muss man über die Grenzen reden. Ein Schraubfundament ist keine Lösung für jedes Grundstück.
Am meisten hängt alles vom Untergrund ab. In steinigem oder felsigem Boden lässt sich ein Pfahl oft nicht sauber eindrehen. In sehr weichem, aufgeschüttetem oder stark durchfeuchtetem Boden braucht es dagegen längere Pfähle oder eine andere Gründung, damit das Haus dauerhaft sicher steht. Was tatsächlich möglich ist, sagt am Ende nicht das Wunschbild, sondern ein Bodengutachten. Deshalb steht am Anfang jedes Projekts bei uns das genaue Hinschauen, und darum geht es auch in unserer Planung und Beratung.
Es gibt außerdem Fälle, in denen ein klassisches Fundament oder eine Bodenplatte einfach die bessere Wahl ist, etwa bei ebenem Gelände mit tragfähigem Boden, wo der Aufwand für eine punktförmige Gründung keinen Vorteil bringt. Wir empfehlen das Haus auf Stelzen also nicht aus Prinzip, sondern dort, wo es zum Grundstück passt. Am Hang, wie bei unserem Projekt Lauber, spielt es seine Stärken am deutlichsten aus.
Wird so ein Haus am Boden nicht kalt?
Das ist die Frage, die fast immer kommt, und sie ist berechtigt. Unter einem Haus auf Stelzen liegt kein Erdreich, das ein wenig Wärme puffert, sondern freie Luft. Der Boden des Hauses ist damit eine echte Außenfläche, ähnlich wie die Wand oder das Dach.
Für uns ist das kein Nachteil, sondern einfach eine Frage der Ausführung. Wir dämmen die unterste Geschoßdecke nach demselben Prinzip wie die Wände, dick und lückenlos, bei uns mit Stroh und Holz. Ein gut gedämmter Boden über der Luft hält die Wärme mindestens so zuverlässig wie ein Boden über einer Kellerdecke. Der Unterschied liegt nur darin, dass man diese Schicht von Anfang an mitdenken muss, und genau das tun wir. Am fertigen Haus merkt man von der Luft darunter nichts, außer dass das Erdgeschoss angenehm trocken bleibt, weil keine Feuchtigkeit aus dem Boden aufsteigt.
Projekt Lauber, unser Haus auf Stelzen
Unser Projekt Lauber ist das gebaute Beispiel für diese Idee. Statt sich in den Hang zu graben, hebt sich das Haus vom Gelände ab und versiegelt dabei so wenig Boden wie möglich. Das Ergebnis ist ein ruhiges, offenes Zuhause, das sich fast unsichtbar in die Landschaft legt.
Wie wir Wand, Dach und Gründung technisch zusammendenken, steht auf unserer Technik-Seite. Und wenn Du sehen willst, welche Häuser wir sonst noch gebaut haben, wirf einen Blick in unsere Projektübersicht.
Ob ein Haus auf Stelzen für Dich passt, entscheidet am Ende Dein Grundstück, nicht die Mode. Wir sagen Dir ehrlich, wenn ein anderes Fundament die klügere Wahl ist. Aber wo es passt, ist es eine der schönsten Arten zu bauen, die wir kennen: Ein Haus, das sich auf den Boden stellt, statt ihn zu verdrängen.
Moch ma's
Du hast ein Grundstück am Hang oder magst die Idee, den Boden möglichst in Ruhe zu lassen? Erzähl uns davon. Wir schauen gemeinsam, ob ein Haus auf Stelzen für Dich passt.
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